Ayça Sancar

Abstract Sancar

Oper und Nation: Kulturbau in der türkischen Frührepublik nach 1938

 

Ab den späten 1930er Jahren lässt sich in der türkischen Frührepublik eine Wende in der Kulturpolitik beobachten. In ihrem Verlauf werden die reformistischen Ambitionen durch den Aufbau einer neuen Hochkultur abgelöst, die sich in erster Linie auf nationale Leistungen in den Bereichen Musik und Theater stützen soll und ebenfalls Auswirkungen auf das Baugeschehen der jungen Republik hat. Die Forschung beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Sozialpolitik, Operngeschehen und Architektur innerhalb dieses Transformationsprozesses. Hierfür sind insbesondere die Ansätze von Künstlern wie Paul Hindemith und Carl Ebert relevant, die als Experten für die Reform des Theater- und Musikbetriebs in die Türkei geholt wurden. Von zentraler Bedeutung ist das Wirken der Architekten Clemens Holzmeister und Paul Bonatz, die in den 1940er Jahren in der Türkei lebten und für die hier untersuchte Reform Entwürfe für neue Kulturbauten angefertigt haben. Anhand der Entstehungsgeschichten dieser Entwürfe wird diskutiert, welche Rolle die Oper in der staatlichen Einführung eines neuen Sozialmodells spielte. Hier lassen sich architektonische Ansätze beschreiben, die für die Modernitätsvorstellung der Nachkriegszeit relevant sind. Die Fortsetzung dieser erarbeiteten Ansätze in den Heimatländern der Architekten konstituiert einen weiteren Teil der Forschung.