Das unsichtbare Brüssel

M1 und M2 Projekt + Seminar Ws 12/13 und SoSe 13
Dozentin: WM Ariane Wilson

Der Canal de Willebroek ist eine der ältesten Wasserstraßen Europas. Er wurde bereits im 16. Jahrhundert begonnen und verbindet die belgische Hauptstadt mit Antwerpen, der Schelde, der Nordsee und dem Rest der Welt. Auch für die Stadtentwicklung Brüssels ist der Kanal von zentraler Bedeutung. Er befördert Industrie und Handel. Er trennt bürgerliche Viertel von Arbeiterbezirken. In den letzten Jahren ist der Kanal erneut ins Fadenkreuz der Planer geraten. Entlang seiner Ufer ist eine Reihe größerer und hochumstrittener Bauprojekte geplant. Die Stadtverwaltung, die Region sowie zahlreiche Immobiliengesellschaften und Bürgervereine haben sich in Stellung gebracht und streiten vehement über den Sinn und Unsinn eines möglichen Strukturwandels. Die Debatte polarisiert sich: Lofts gegen Sozialwohnungen; adrette Parks gegen wilde Gemüsegärten, Anlageprojekte gegen provisorischen Selbstbau, tabula rasa gegen Denkmalpflege. Und auch vom Kanal weiß man noch nicht, ob er eher den erholungsbedürftigen Großstädtern oder den Lastkähnen dienen soll.

Das M1- Projekt steigt in dieses Schachspiel ein, untersucht wer da wen mattsetzen will und entwickelt vor allem neue Züge. Im ersten Teil wird das Areal gründlich unter die Lupe genommen, beschrieben und analysiert. Methoden der Spaziergangswissenschaft werden uns helfen, dem Ort seine Geheimnisse zu entlocken. Im Verlauf zahlreicher Kurz-Exkursionen werden wir uns der Poesie der Orte aussetzen und verschiedene Akteure treffen. Die weitere Arbeit wird sich zwischen der Werkstattstimmung unseres Arbeitsraums und Brüssel entwickeln. Das Seminar bringt theoretische und methodologische Unterstützung durch Lektüren, Dokumentarfilme und Referate.

Das M1-Projekt wird von der Überzeugung getragen, daß die Analyse und ihre Darstellung wesentliche Teile des Projekts sind. Besondere Aufmerksamkeit werden wir daher folgenden Fragen widmen:

Wie kann bislang Unsichtbares sichtbar gemacht werden?
Wie lassen sich die vor Ort gewonnenen Erkenntnisse darstellen ?
Wie lassen sich aus den gewonnenen Einsichten aussichtsreiche Szenarien entwickeln?